Duitsland-nederland 3-0De analyse van Duitsland-Nederland door een Duitse bril Die komplette deutsche Mannschaft war in ihrer Ausrichtung sehr fluid, als dass sie eine variable, aber nicht übertriebene Mittelfeldrochade praktizieren ließ, in die neben dem sich gerne fallen lassenden Özil (wie auch manchmal Klose und Müller) Kroos und Khedira einbanden. Der Bayer dirigierte und lenkte das deutsche Angriffsspiel aus der Tiefe, während der Madrilene in typischer Manier mit Laufstärke und Energie das Mittelfeld abarbeitete, mit nach vorne stieß und die Gegner extrem druckvoll bekämpfte. Vorne wurden diese Rochaden nahtlos von den drei erstgenannten Akteuren weitergeführt, die immer wieder positionswechsel ausführten und für kurze Zeit effektive Rotationbetrieben – Müller war im Zentrum zu finden, Klose auf dem linken oder rechten Flügel, zum Beispiel. Spätestens nach etwa 10 Minuten versuchten die Niederländer zwar mit einer relativ festen Zuteilung nach Gegenspielern und einem daraus folgenden 4-1-4-1 im Mittelfeld dagegen zu halten, doch Deutschland konterte dies mit ihrer Bewegung – die zentralen Spieler wichen auf die außen aus und erlaubten es den Flügeln bzw. dem rechten Flügel in die Mitte zu ziehen. Neu sind diese Wechselspielchen bei weitem nicht und gehörten in Form der Rochade von Müller und Özil vor allem in den Monaten kurz nach der WM zum festen Standardrepertoire der taktischen Mittel, doch hier bediente man sich dieser Maßnahme in neuem Ausmaß – es war genau eine solche Szene, als Özil den Gegner nach außen wegzog, Müller den Raum nutzen konnte und gegen die Laufrichtung der Niederländer, die sich nun auch etwas amateurhaft auf ihn konzentrierten, direkt wieder auf Özil zurück legte. Gegen eine solche Defensivstrategie, wie sie hier von den Niederländern angewandt wurde, ist das, was die deutsche Mannschaft machte, ein effektives und naheliegendes Mittel – man zieht durch einen geschickten Laufweg den Gegenspieler heraus und schafft Raum, spielt ihn diesen hinein, während ein Mitspieler sich dort ebenso hinein bewegt und das Spielgerät erläuft. Gegensätzliche Laufwege zum Aufreißen der Defensive waren ein typisches und entscheidendes Mittel für den deutschen Sieg, befeuert durch die passende individuelle Klasse der Akteure im Bereich der taktischen Arbeit. Ebenso wie auf halbrechts überluden die Kreativspieler der DFB-Elf die Niederländer auch in zentralen Zonen gegen den mehr oder minder allein spielenden Sechser van Bommel – Müller kam von der Flanke nach innen, Klose ließ sich fallen, Kroos und Khedira banden sich hier ebenfalls gerne mit ein. Der Mann, der für die gelegentlichen Zauberphasen auf halbrechts bezahlen musste, war Lukas Podolski und darf sich wohl einiges an Kritik für eine unauffällige Leistung abholen. Nicht das erste Mal „missbrauchte“ man ihn in einer sehr breiten Rolle auf links mit der primären Funktion, das Spiel breit zu machen, Gegenspieler auf sich zu ziehen und den anderen Spielern Raum zu geben sowie eventuell mögliche Fehler auszunutzen. Niederländische Probleme Um die ganze Lobhudelei nun doch ein wenig zu relativieren – es war natürlich nur ein Testspiel, in dem die Gäste unter anderem ohne den immens wichtigen van Persie (und auch ohne den Langzeit-Verletzten Robben) antraten und mit einigen großen Patzern zur deutschen Herrlichkeit beitrugen. So ließ sich beispielsweise Braafheid von Müller viel zu weit in die Mitte ziehen, im Mittelfeld ließ man zu viele Lücken und war zu starr, um mit den Gegnern mithalten zu können, und generell ist die Defensive von Oranje nicht die sicherste – vor allem Braafheid und Mathijsen, welche ausgerechnet im starken deutschen Bereich verteidigten, haben hinlänglich bekannte Schwächen, die verhindern, dass sie über gehobenes Erstliga-Niveau – bei Letzerem nicht ganz so extrem – hinausgehend einzuschätzen sind. Allerdings gingen die Probleme der Niederländer auch über diese defensiven Fragen hinaus. In eigenem Ballbesitz zogen sich die Deutschen zunächst zurück, verdichteten das Mittelfeld und überließen den Innenverteidigern den Spielaufbau – ohne Anspielstationen und durch eine häufig fehlende Anbindung zwischen dem Sechser samt Abwehrkette und den beiden offensiveren Mittelfeldspielern hatten sie damit große Schwierigkeiten, was bereits oft zu sehen war und eines der tieferen und größeren Baustellenfelder darstellt. Nach einiger Zeit rückte Deutschland dann weiter auf und presste mit gutem Erfolg. Der zweite Aspekt bezieht sich neben der Tatsache, dass viele Akteure sich in keiner guten Verfassung präsentierten (Sneijder), vor allem auf die niederländische Formation, die gelegentlich etwas seltsam wirkte. Sowohl Strootman als auch Sneijder tendierten eher nach links, so dass sie sich anfangs eher auf den Füßen standen statt zu befruchten und obendrein noch den Raum halbrechts gar nicht wirklich bespielten. Auch wenn Strootman dann nach halbrechts ging, musste Kuyt häufig von rechts einroder sehr tief spielen, um Räume zu füllen oder zu helfen – somit fehlte den Niederländern aber jegliche Durchschlagskraft, weil auch der offensive van der Wiel gegen Podolski fast gar nicht zur Geltung kam, Sneijder sehr tief stand, um leichter in Ballbesitz zu kommen, und Huntelaar folglich recht isoliert war. Einzig der sehr breit (zu breit, wenn auch durch die Positionierung Sneijders bedingt) stehende Babel brachte einige Gefahr, wenn er gelegentlich ausnutzen konnte, dass Boateng zu weit einrückte. Weitere Aspekte Erfreulich aus deutscher Seite war die Tatsache, dass man sich in einer ihrer Problemzonen verbessert zeigte. Im zweiten Abschnitt setzten die Gäste den ballführenden Gegenspieler früher und aktiver unter Druck, doch es gelang der deutschen Mannschaft, weitestgehend souverän damit umzugehen, das Pressing zu umspielen und dann die entstandenen Räume für Konterangriffe auszunutzen, die seit langem zu den Paradedisziplinen des Teams gehören. Derartige Probleme wie im Siel gegen Belgientraten hier nicht auf.
Wie bereits zu Beginn kurz erwähnt, war dies ein weiteres in einer Reihe von Spielen, indem die beiden zentralen deutschen Mittelfeldspieler ihre Rolle sehr offensiv interpretierten und weit herausrückten. Die Vor- und Nachteile dieser Ausrichtung wurden in etwas anderer Form bereits dargelegt und auch diesmal konnte man wieder erkennen, wie effektiv dies in der Offensive beim Überladen und Kombinieren sein kann, ebenso wie beim Gegenpressing – in diesem Kontext soll noch einmal die kraftvolle und laufstarke Arbeit Khediras würdigend erwähnt werden –, wenn man auch riskant spielt und Räume lassen kann, was in einigen Szenen im Spiel zu sehen war.
Zum Abschluss noch zwei kleine Anmerkungen zum deutschen Spiel ohne Ball. Anders als die Niederländer formierte man sich meist in einem 4-4-2, in dem Özil neben Klose vorrückte. Erstens war auffällig, dass man beim verschieben auf die Seite eine relativ offensive Marschroute verfolgte, indem der ballferne Flügelspieler nicht wie üblich sich beim Verschieben mit einreihte und sich in Richtung Zentrum wie leicht nach hinten bewegte, sondern sich am gegnerischen Außenverteidiger orientierte, um eine riskilose Verlagerung des Gegners zu verhindern, wenn man auch selbst etwas Risiko einging. Zweitens schob einer der beiden Mittelfeldspieler häufig weiter vor als sein Kollege und man wechselte zu einer Art 4-1-3-2/4-3-1-2 mit einem vorderen Abfangjäger und einem absichernden Spieler, die von den beiden Stürmern unterstützt wurden, welche die Verbindung ins Mittelfeld ebenfalls blockten. Was bedeutet dieses Ergebnis im Hinblick auf die EM? Mit diesem Sieg ist die deutsche Nationalmannschaft nun endgültig in die Rolle des absoluten Titelfavoriten neben Spanien gewachsen. Trotz der Probleme der Niederländer und der Tatsache, dass es nur ein Testspiel war, konnte man deutliche Unterschiede zwischen den Mannschaften erkennen. Dennoch sollte man dieNiederlander nicht abschreiben, vor allem wenn sie in besserer Verfassung daher kommen werden. Wahrscheinlich sind sie eng hinter den beiden Topfavoriten einzuordnen.